Wie viele gestohlene Autos werden über Polen nach Osteuropa verbracht?

ine genaue öffentliche Zahl gibt es nicht. Weder das BKA noch die Versicherungswirtschaft veröffentlichen eine Statistik, aus der eindeutig hervorgeht, wie viele in Deutschland gestohlene Autos tatsächlich über Polen nach Osteuropa verbracht werden.

Bekannt ist aber: Polen spielt bei der internationalen Kfz-Verschiebung weiterhin eine wichtige Rolle. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes gestohlene Auto aus Deutschland automatisch in Polen landet. Ein Teil der Fahrzeuge wird in Deutschland zerlegt, ein Teil wird in andere Länder verbracht, ein Teil taucht wieder auf, und ein Teil verschwindet dauerhaft.

Wie viele Autos werden in Deutschland gestohlen?

Nach Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft wurden 2024 in Deutschland 14.162 kaskoversicherte Pkw gestohlen. Der Schaden lag bei mehr als 290 Millionen Euro. Das BKA nennt für 2024 sogar 16.129 dauerhaft entwendete Pkw. Die Zahlen unterscheiden sich, weil Versicherer und Polizei unterschiedlich zählen.

Welche Rolle spielt Polen?

Polen ist aus deutscher Sicht vor allem wegen der geografischen Lage wichtig. Besonders aus Berlin, Brandenburg und Sachsen führen schnelle Routen über Autobahnen und Grenzübergänge nach Polen. Die Berliner Innenverwaltung schreibt ausdrücklich, dass Autobahnen und Schnellstraßen genutzt werden, um Fahrzeuge aus Berlin in osteuropäische Nachbarländer, insbesondere nach Polen, zu verbringen. Dort würden Fahrzeuge zerlegt oder als Ganzes weitergeschoben, beispielsweise nach Zentralasien.

Das ist ein wichtiger Hinweis: Polen ist nicht nur Zielmarkt, sondern häufig auch Transitland. Gestohlene Fahrzeuge können dort ausgeschlachtet, mit neuen Papieren versehen oder weitertransportiert werden.

Warum gibt es keine genaue Zahl?

Eine exakte Zahl wäre nur möglich, wenn bei jedem gestohlenen Fahrzeug sicher nachgewiesen würde:

  1. wo es gestohlen wurde,
  2. über welche Grenze es gebracht wurde,
  3. ob Polen Ziel- oder Transitland war,
  4. ob es zerlegt oder weiterverkauft wurde,
  5. ob es später wieder aufgefunden wurde.

In der Praxis gelingt das nur bei einem Teil der Fälle. Viele Fahrzeuge verschwinden dauerhaft. Andere werden nur als Teile wiedergefunden. Deshalb wäre eine konkrete Aussage wie „X Prozent aller gestohlenen Autos gehen über Polen“ unseriös, wenn dafür keine belastbare Quelle genannt wird.

Besonders betroffen: Berlin und Ostdeutschland

Die Spur nach Polen ist vor allem bei Diebstählen in Berlin und Ostdeutschland plausibel. Berlin ist seit Jahren ein Schwerpunkt des Autodiebstahls. Laut GDV wurden 2024 allein in Berlin 3.855 kaskoversicherte Pkw gestohlen. Brandenburg weist als Flächenland ebenfalls eine hohe Diebstahlquote auf. Die Nähe zu Polen macht die Region für reisende Tätergruppen besonders attraktiv.

Auch die Berliner Innenverwaltung nennt ausdrücklich schnelle Verbringungsrouten ins Ausland und die Nähe zum osteuropäischen Raum als Risikofaktor.

Werden die Autos in Polen weiterverkauft?

Teilweise ja, aber nicht nur. Nach polizeilichen Erkenntnissen werden Fahrzeuge in Polen entweder zerlegt oder als Ganzes weitergeschoben. Einzelteile lassen sich schwerer zurückverfolgen als komplette Fahrzeuge. Hochwertige Fahrzeuge können außerdem über weitere Länder in Richtung Osteuropa, Zentralasien oder andere Absatzmärkte gelangen.

Fazit

Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt keine öffentlich belastbare Zahl, wie viele in Deutschland gestohlene Autos konkret über Polen nach Osteuropa verbracht werden. Sicher ist aber, dass Polen bei der internationalen Kfz-Verschiebung eine wichtige Rolle spielt – vor allem als Transit- und Zerlegeort für Fahrzeuge aus Berlin, Brandenburg, Sachsen und anderen Regionen.

Wer behauptet, die genaue Zahl zu kennen, sollte eine überprüfbare Quelle nennen. Ohne solche Quelle bleibt nur die seriöse Einordnung: Von den jährlich mehr als 14.000 bis 16.000 dauerhaft entwendeten Pkw in Deutschland wird ein relevanter, aber öffentlich nicht exakt bezifferbarer Teil über Polen oder in Richtung Polen verschoben.

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