Ein Unfall, plötzliches Fieber oder Zahnschmerzen im Urlaub – niemand wünscht sich einen Arztbesuch im Ausland. Die gute Nachricht: Deutsche Urlauber sind in Polen medizinisch gut versorgt. Wer einige wichtige Regeln kennt, muss sich im Ernstfall keine Sorgen machen.
Europäische Krankenversicherung gilt auch in Polen
Polen gehört zur Europäischen Union. Gesetzlich krankenversicherte Urlauber können deshalb die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) nutzen. Sie befindet sich bei den meisten gesetzlichen Krankenkassen auf der Rückseite der deutschen Gesundheitskarte.
Mit der EHIC erhalten Urlauber medizinisch notwendige Behandlungen während ihres Aufenthalts – zu den gleichen Bedingungen wie polnische Versicherte. Dazu gehören beispielsweise:
- Arztbesuche
- Krankenhausbehandlungen
- Notfallversorgung
- notwendige Medikamente
- teilweise zahnärztliche Behandlungen
Die Behandlung darf nicht bis zur Rückkehr nach Deutschland aufgeschoben werden.
Gilt die EHIC überall?
Nein. Die EHIC wird hauptsächlich bei Ärzten und Krankenhäusern akzeptiert, die mit dem polnischen staatlichen Gesundheitssystem zusammenarbeiten.
Private Kliniken oder Privatärzte können ihre Leistungen vollständig in Rechnung stellen. Diese Kosten müssen häufig zunächst selbst bezahlt werden.
Was kostet eine Behandlung?
Auch mit der EHIC können Zuzahlungen anfallen. Diese richten sich nach den in Polen geltenden Vorschriften und entsprechen den Eigenanteilen, die auch polnische Patienten zahlen müssen.
Je nach Behandlung können beispielsweise Kosten entstehen für:
- bestimmte Medikamente
- einige Hilfsmittel
- einzelne medizinische Leistungen
Diese Eigenanteile werden von deutschen Krankenkassen in der Regel nicht erstattet.
Ist eine Auslandskrankenversicherung sinnvoll?
Ja – und zwar unbedingt.
Eine private Auslandskrankenversicherung kostet oft nur wenige Euro pro Jahr und übernimmt Leistungen, die die EHIC nicht abdeckt. Dazu gehören unter anderem:
- medizinisch notwendiger Rücktransport nach Deutschland
- Behandlung in Privatkliniken
- höhere Behandlungskosten
- zusätzliche Eigenanteile
- Such- und Bergungskosten nach Unfällen
Gerade ein Krankenrücktransport kann schnell mehrere Tausend Euro kosten.
Was tun im Notfall?
In lebensbedrohlichen Situationen gilt in Polen – wie in ganz Europa – die Notrufnummer:
112
Zusätzlich existiert der nationale Rettungsdienst unter:
999
Größere Städte verfügen über moderne Krankenhäuser. In beliebten Urlaubsregionen sprechen viele Ärzte zumindest Englisch, teilweise auch Deutsch.
Medikamente in Polen
Apotheken („Apteka“) sind weit verbreitet. Viele Medikamente sind ähnlich erhältlich wie in Deutschland.
Wer regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente einnimmt, sollte diese jedoch ausreichend für die gesamte Reise mitführen und möglichst auch den Beipackzettel oder ein ärztliches Rezept dabeihaben.
Privat Versicherte
Privatversicherte nutzen die EHIC in der Regel nicht. Sie bezahlen medizinische Leistungen meist zunächst selbst und reichen die Rechnungen anschließend bei ihrer privaten Krankenversicherung ein. Vor Reisebeginn lohnt sich ein Blick in die Versicherungsbedingungen.
Praktische Vorbereitung
Vor der Abreise empfiehlt es sich:
- Gesundheitskarte mit EHIC prüfen
- private Auslandskrankenversicherung abschließen
- wichtige Medikamente mitnehmen
- Notfallnummern im Smartphone speichern
- Kontaktdaten der eigenen Krankenkasse bereithalten
Fazit
Die medizinische Versorgung in Polen ist insgesamt gut und entspricht in vielen Bereichen modernen europäischen Standards. Dank der Europäischen Krankenversicherungskarte erhalten gesetzlich versicherte deutsche Urlauber im Krankheitsfall unkompliziert Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung. Eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung bleibt dennoch eine sinnvolle Absicherung, da sie wichtige Leistungen wie den Krankenrücktransport oder Behandlungen in Privatkliniken übernimmt. So lässt sich der Urlaub deutlich entspannter genießen.
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