Alles spricht vom „Polenmarkt“ – doch 2026 lohnt längst nicht mehr alles, was früher als Schnäppchen galt. Der Grund: Preiskonvergenz innerhalb der EU, neue Abgaben, steigende Löhne und Regeln, die scheinbare Vorteile neutralisieren. Wer grenznah einkauft, sollte diese Kategorien lieber von der Liste streichen – oder sie zumindest sehr kritisch prüfen.
1) Getränke in Einweg & Dosen
Seit dem 1. Oktober 2025 gilt in Polen ein landesweites Pfandsystem („kaucja“). Auf Plastikflaschen (bis 3 l) und Dosen (bis 1 l) fallen 0,50 PLN Pfand an; für Mehrweg-Glasflaschen kommt ab Januar 2026 1,00 PLN hinzu. Das Pfand bekommt man nur in Polen zurück – in Deutschland nicht. Der vermeintliche Preisvorteil schrumpft damit spürbar. Notes From Poland+1
2) Tabak, Vapes & Liquids
Polen erhöht die Verbrauchsteuern in Stufen weiter – 2025, 2026 und 2027. Besonders stark trifft es E-Zigaretten-Liquids; auch Zigaretten, Zigarren und Feinschnitt werden jährlich teurer. Wer hier auf „Billigpreise“ hofft, wird 2026 eher enttäuscht. polskieradio.pl+2polskieradio.pl+2
3) Grundnahrungsmittel
Der 0 %-Sonder-Mehrwertsteuersatz auf Lebensmittel ist seit 1. April 2024 Geschichte; wieder gelten 5 % MwSt. Gleichzeitig steigen die Löhne weiter – der gesetzliche Mindestlohn liegt ab 1. Januar 2026 bei 4.806 PLN brutto. Beides zusammen lässt die Preislücke zu Deutschland kleiner werden: Für Butter, Milch, Brot & Co. lohnt der Ausflug oft nicht mehr. Verita HR+3Notes From Poland+3vatcalc.com+3
4) Prepaid-SIMs & Datentarife
„Roam like at home“ gilt in der EU bis mindestens 30. Juni 2032; die Wholesale-Deckel wurden 2025 weiter gesenkt. Eine polnische SIM nur fürs Datenvolumen zu kaufen, bringt EU-Reisenden kaum Mehrwert – und kostet Zeit sowie Nerven beim Registrieren. EUR-Lex
5) Elektronik & Marken-Smartphones
Die gesetzliche EU-Gewährleistung von mindestens zwei Jahren schützt dich ohnehin – egal ob in Polen oder Deutschland gekauft. Rabatte bei TVs, Laptops oder Handys sind 2026 selten groß genug, um Risiken wie polnische Tastaturlayouts, Sprachpakete, Garantiewege oder Rücksendungen über die Grenze aufzuwiegen. Prüfe lieber deutsche Aktionen oder Online-Preisvergleiche. European Union+1
6) Weiße Ware & sperrige Anschaffungen
Kühlschränke, Waschmaschinen, Möbel: Transport, Aufbau, eventuelle Rückgaben und Service im Garantiefall machen den Kauf im Ausland schnell unattraktiv. Selbst wenn der Kassenbon niedriger ist, frisst die Logistik den Vorteil auf – und bei Defekten musst du oft wieder nach Polen.
7) „Schwer & sperrig“ aus dem Supermarkt
Großpacks von Waschmitteln, Tierfutter, Katzenstreu oder Getränkekisten wirken günstig, sind aber schwer und brauchen Platz. Rechnet man Treibstoff, Maut/Brücken, Zeit und (bei Getränken) das polnische Pfand ein, bleibt vom Deal meist nichts übrig. Notes From Poland
8) Parfüm & Marken-Kosmetik
Die Preisstrategie internationaler Marken ist in Deutschland 2026 häufig ebenso aggressiv wie in Polen – mit starken Drogerie- und Online-Promos. Ohne klaren Vergleichspreis ist das Risiko groß, im Ausland kaum oder gar nichts zu sparen.
9) Apotheken-Artikel „auf Verdacht“
OTC-Produkte heißen oft anders, Dosierungen und Beipackzettel sind polnisch. Ohne gezielten Bedarf und Beratung lohnt das „Vorrats-Shoppen“ nicht – zumal deutsche Apotheken/Versender regelmäßig Aktionen fahren. (Rezeptpflichtiges gehört ohnehin in die Hände der heimischen Ärztin/Apotheke.)
Praktische Faustregeln für 2026
- Rechne das Pfand ein (und bedenke, dass du es in Deutschland nicht zurückbekommst). Notes From Poland+1
- Vergiss Roaming-SIMs. EU-Roaming bleibt bis 2032 günstig – lokale Karten bringen selten Vorteile. EUR-Lex
- Achte auf Folgekosten (Transport, Rückgabe, Garantie-Abwicklung). Die EU-Gewährleistung hilft, ersetzt aber nicht die Bequemlichkeit lokaler Servicewege. European Union
- Preisentwicklung bedenken: Durch das Auslaufen der 0 %-Lebensmittel-MwSt und steigende Löhne in Polen schrumpfen viele Preisvorteile. Notes From Poland+1
Kurz gesagt: 2026 lohnt sich das gezielte Stöbern nach polnischen Spezialitäten, regionalen Lebensmitteln, Handwerk & Dienstleistungen – aber die klassischen „Grenz-Schnäppchen“ (Getränke, Tabak, SIM-Karten, schwere Haushaltsware, Standard-Elektronik) bringen oft keinen echten Vorteil mehr. Wenn du trotzdem etwas Größeres ins Auge fasst: Vorher Preise in beiden Ländern vergleichen, Pfand/Steuern und Rückgabewege mitrechnen – und nur kaufen, wenn der Gesamtpreis nach allen Nebenkosten wirklich passt.
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